Ratgeber · Schweiz

Lohnen sich Ost- und Westflächen zusätzlich zur Südanlage?

Die Frage ist nicht, ob Süd übers Jahr mehr Strom liefert. Spannender ist, was zusätzliche Ost- und Westflächen deinem Haushalt wirklich bringen: mehr selbst genutzten Strom, vor allem mehr Einspeisung oder beides?

Kurzantwort

Kurzantwort

Lohnen sich Ost- und Westflächen zusätzlich zur Südanlage?

Im Berner Modell erhöhen zusätzliche 2,5 kWp Ost und 2,5 kWp West die PV-Leistung von 10 auf 15 kWp. Die Jahresproduktion steigt um rund 4’888 kWh, der Haushalt nutzt davon aber nur etwa 40 kWh zusätzlich selbst. Bei den angesetzten Tarifen verbessert sich das 20-Jahres-Ergebnis um rund CHF 530, bevor Wartung, Degradation oder Ersatz berücksichtigt sind.

Die Entscheidung: vorhandene Ost- und Westflächen mitnutzen?

Wir vergleichen eine 10-kWp-Südanlage mit derselben Anlage plus je 2,5 kWp auf einer Ost- und einer Westfläche. Beide Varianten stehen in Bern (PLZ 3011), die Dachneigung beträgt 30°, und beide haben einen 10-kWh-Speicher. Haushalt, Tarife, Förderbeitrag und übrige Annahmen bleiben gleich. Wärmepumpe, E-Auto und lokale Sonderförderungen sind nicht enthalten.

Das ist kein abstrakter Wettbewerb zwischen Himmelsrichtungen. Es geht um eine konkrete Planungsfrage: Was bringt es, geeignete zusätzliche Dachflächen ebenfalls zu belegen? Die Erträge sind PVGIS-Modellwerte für Bern, nicht die Vermessung eines bestimmten Daches. Verschattung, nutzbare Fläche und Dachaufbauten müssen vor Ort geprüft werden.

Was die zusätzlichen Flächen im Modell beitragen

Kennzahl10 kWp Süd10 kWp Süd + 2,5 kWp Ost + 2,5 kWp West
PV-Erzeugung pro Jahr12’232 kWh17’120 kWh
Eigenverbrauchsanteil der PV33,9 %24,4 %
Vom Haushalt gedeckt3’886 kWh · 95,9 %3’926 kWh · 96,9 %
Netzbezug pro Jahr164 kWh124 kWh
Einspeisung pro Jahr8’088 kWh12’936 kWh
NettoinvestitionCHF 26’700CHF 33’700
Jährliche ErsparnisCHF 1’850CHF 2’227
Ergebnis nach 20 Jahren+ CHF 10’301+ CHF 10’831

Die Zusatzflächen bringen rund 4’888 kWh mehr PV-Strom im Jahr. Davon kommen im Modell nur etwa 40 kWh zusätzlich dem Haushalt direkt zugute; die Einspeisung wächst um rund 4’848 kWh. Die Mehrinvestition von CHF 7’000 steht einer zusätzlichen jährlichen Ersparnis von rund CHF 376 gegenüber. Nach 20 Jahren liegt das Modellergebnis damit nur etwa CHF 530 höher als bei der Südanlage allein.

Das ist ein knapper wirtschaftlicher Abstand: Die zusätzlichen Flächen rechnen sich in dieser vereinfachten Rechnung gerade noch, aber schon Kosten für Wartung, Ersatz oder Ertragsminderung können den kleinen Vorsprung aufzehren. Umgekehrt können andere Offerten, ein anderer Einspeisetarif oder späterer Mehrverbrauch das Ergebnis verändern. Der prozentuale Eigenverbrauch sinkt, weil die Produktion stärker wächst als der Verbrauch; die tatsächlich selbst genutzte Menge steigt leicht.

Monatliche PV-Erzeugung

Monat10 kWp SüdSüd + Ost/West
Januar552 kWh703 kWh
Februar736 kWh968 kWh
März1’127 kWh1’544 kWh
April1’303 kWh1’849 kWh
Mai1’284 kWh1’878 kWh
Juni1’412 kWh2’080 kWh
Juli1’441 kWh2’112 kWh
August1’334 kWh1’914 kWh
September1’175 kWh1’630 kWh
Oktober894 kWh1’194 kWh
November519 kWh674 kWh
Dezember456 kWh575 kWh

Was du daraus für dein Dach mitnehmen kannst

Zusätzliche Dachflächen sind weder automatisch sinnvoll noch grundsätzlich unrentabel. In diesem Beispiel steigt der rechnerische Nutzen nur knapp, weil ein grosser Teil des zusätzlichen Solarstroms vergütet eingespeist wird. Darum sollte man vor einer Erweiterung nicht nur die installierbare Leistung, sondern auch Offerte, Eigenverbrauch, Einspeisetarif und die nutzbare Fläche zusammen ansehen. Eine genaue Verschattungs- und Dachprüfung gehört zum Fachbetrieb vor Ort.

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Mit deinen eigenen Werten vergleichen

Die Beispiel-Links übernehmen den Berner Ausgangsfall in den Rechner. Du kannst dort einzelne Annahmen ändern und die Auswertung mit deiner Offerte und deinem Verbrauch abgleichen.

Rechenbasis und Quellen

Rechnerstand: PVGIS 5.3/SARAH-3, Wetterjahre 2014–2023; Tarif- und Preisannahmen vom 8. September 2026. Vereinfachte Modellrechnung, keine Offerte.